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29. May. 2008

“Du kennst dich doch bestimmt damit aus. Warum geht der Typ zum Email-Schreiben auf die Bühne?” Die Frage des Ordners scheint berechtigt. Auf der Bühne steht Vince Clarke wie bewegungslos vor seinem Laptop. Dabei starrt er ausnahmslos geradeaus auf den Bildschirm seines Computers, von dem er mit wenigen Klicks die Synthies sampelt. Kaum ein Blick ins Publikum, nur an und ab wippt sein Fuß zum 80s Beat. Nicht einmal die Klavierspur von “Winter Kills” spielt er live. Auch seine Kollegin Alison Moyet bleibt sehr statisch und bei der Ansage zu letzterem Song auch leicht verwirrt: “The next song is a b-side to Don’t Go … Or is it?” Ist es. Von einer Band, die nur 2 Alben produziert hat, sollte man eine gewisse Repertoirefestigkeit erwarten können.

Auf der anderen Seite liegt “Upstairs at Eric’s” nun auch schon 26 Jahre zurück, Yazoo trennte sich knapp ein Jahr später und ging noch vor der Veröffentlichung des zweiten Albums getrennte Wege. Dass da nicht jeder Song locker aus dem Handgelenk fließt, zeigte sich schon am Anfang des Konzertes. Alison Moyet bricht unerwartet mitten im Lied ab. “I started too late with the verse.” Sie lacht, Vince Clarke verschiebt den Zeiger in seinen Laptop Samples um eine Minute zurück und das Publikum applaudiert wild.

Das Publikum verzog Yazoo gestern Abend ohnehin vieles: Den Minimalsimus der Bühne, die bewegungslosen Hauptdarsteller und das sterile Laptop-Playback. Mit gutem Grund, denn es gleicht ohnehin einem Wunder, dass Yazoo es nach so langer Zeit überhaupt auf eine Bühne in Hamburg (das einzige Deutschlandkonzert neben Berlin) geschafft haben. Damals noch als wegweisend bezeichnet, ist die Musik des britischen Synthiepop-projekts inzwischen überholt. Die Synthies sind zu glatt und der inbrünstige Gesang Moyets klingt teilweise kitschig. Aber auch darum wissen Yazoo und ziehen mitten im Konzert ein altes Tonbandgerät auf die Bühne, von dem sie einen zeitgemäßen Remix ihres experimentellen Vocal Cut-Up “I before E except after C” abspielen. Die Selbstironie ist eindeutig. Auch die Projektionen, die knallbunte Pacman Sequenzen und politische Ereignisse der 80er mit Bildern von Moyet und Clarke in der Blütephase ihres Schaffens zeigen, wollen nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass hier ein Anachronismus am Werke ist. Dass man in längst vergangenen Zeiten schwelgt. Denn auch die 80er sind fast 30 Jahre her.

26. May. 2008

Eine Party ohne Konfetti ist wie iLIVE ohne Akustiksessions!

Das wussten auch The Sea. Denn bei ihrer Albumreleaseparty am 23. Mai im Grünen Jäger gab es jede Menge von den kleinen bunten Papierschnipseln. Tütenweise schmissen euphorische Hände das Zeug in die Luft und bliesen Luftschlangen über die Köpfe hinweg auf die Bühne, an deren Rückwand eine bunte “Herzlichen Glückwunsch” Buchstabenkette flatterte. Um sich vor den tief fliegenden Partypapierluftgeschossen zu schützen, verteilten The Sea sogar Regenschirme. Durchsichtig versteht sich, so dass jeder dem Treiben auf der Bühne zusehen konnte.

Wer die Musik der Band schon auf Platte oder Myspace gehört hat, wird sich anhand dieser Beschreibung sicherlich wundern: The Sea erscheinen eher ruhiger, fast melancholisch. Und das ist richtig. Dennoch schaffte es die Band ihren Liedern live einen mitreißenden Schwung zu geben. Plötzlich sang man zu Liedern mit, die man nur teilweise oder gar nicht kannte. Man tanzte zu ruhigen Klavierklängen. Man gab sich der Musik von The Sea mit allen ihren Facetten hin. Ein Vergleich aus dem maritimen Wortfeld liegt jetzt natürlich nahe, ist aber überflüssig. Denn The Sea bewegen sich jenseits von allen Clichés. Wer die Band verpasst hat, sollte sofort unsere drei iLIVE Akustiksessions anhören, diesen Bastelbogen benutzen und seine eigene Releaseparty feiern! Denn das hat das Album allemal verdient!

26. May. 2008

Was, von dieser Band habt ihr noch nie gehört? Schämt euch! Das Punkquartett Schneller Autos Organisation aus Hamburg hat mittlerweile zwei starke Platten draußen (World + Noch mehr Hoffnung für noch mehr Menschen) und besticht durch einen Melodie orientierten Postpunkpunk, der einen interessanten unterschwelligen Soul Drive hat.

Am 24.5. hat die Band im Störtebeker gespielt und ganz unverhofft eines der Konzerte des Jahres abgeliefert. Auch wenn es mich immer wieder erstaunt, dass das Publikum der linksaktiven Szene meist nur mit verschränkten Armen zusieht, anstatt sich der Euphorie hinzugeben. Denn die Schneller Autos Organisation hat genau das zelebriert: Euphorie. Über eine Stunde müssen wir tanzen, tanzen, tanzen – gut, und Bier trinken auch, bei einem Preis von 1,30€! Die Musik treibt und treibt. Kein Song hält inne. Sänger Nils ergibt sich dem Sog seiner eigenen Songs, singt von gesellschaftlichen Utopien und Wünschen, von der Unzulänglichkeit der Sprache, von Szenen und hetzt zwischen zwei Mikros immer hin und her bis er bei einer der ca drei Zugaben sein Mikro im Publikum aufbaut. In seinem Rücken eine Band, die auf der Bühne die Klarheit der Platte gegen einen wunderbar knallenden Live Sound eintauscht, der mitreißt, so dass irgendwann doch die eine oder andere Flasche zu Bruch geht. Wir wollen mehr!

26. May. 2008

Man sieht es ja selten, dass auf der Bühne eine Band nur aus Frauen besteht. Audrey aus Schweden ist so eine Band. Die Musikerinnen haben aber nix mit Riot Grrrl oder so am Hut, sondern bewegen sich in zarteren Sphären. Auf bisher zwei Alben und einer EP besticht das Quartett mit zarten Sound Fragmenten, mit träumerischer Stimmung und sanftem Post Rock. Besonders toll ist das Cello, das den Sound der Band so herrlich durchzieht.
Am 22.5. im Knust sah das dann so aus: Vier Schwedinnen in schwarzen Oberteilen mit schönen Broschen blicken schüchtern ins Publikum. Jede Pause zum Gitarrenstimmen wird zum niedlichen Schweigen genutzt oder zu einem ganz leisen “Thank You”. Zum schüchtern sein gibt es aber eigentlich gar keinen Grund. Das neue Album “The Fierce And The Longing” reiht sich in eine bisher äußerst überzeugende Diskographie mit starken Songs ein.
Einen Song haben Audrey für uns im Treppenhaus des Knust gespielt. Sängerin Victoria saß auf den Stufen und spielte ihre Akustikgitarre, während Emelie etwas weiter unten stand und ihrem Cello wunderschöne Töne entlockte. Den Song gibt es im nächsten iLIVE Podcast, Episode 38, der am 3.6.08 erscheint.

24. May. 2008

8.10.2007, Molotow: “Grad spieln hier noch kleine aufgeregte jungs in engen hosen..” Als ich die SMS lese, komme ich gerade ins Molotow und muss lächeln. Denn da stehen drei wirklich sehr aufgeregte Jungs auf der Bühne, schrammeln zappelig hektische Lieder und scheinen die Nähte ihrer skinny Jeans zum Platzen zu bringen. Keiner kennt sie und wenige können etwas mit ihnen anfangen: 1000 Robota

Gestern im Ü&G: Kleine aufgeregte Jungs in engen Hosen stehen hier nur vor der Bühne. Auf der Bühne steht eine Band, die bereit ist, das Ü&G zum Plazen zu bringen. Und das tun sie auch: Kaum ertönen die erste Akkorde fangen die Jungs und Mädels vor der Bühne an wild zu tanzen und feiern ausgelassen! Die 1000 Robota sind einen weiten Weg gegangen seit sie noch vor einem halben Jahr als Support von den Kilians gespielt haben. Der Sound ist tight, die Aufregung weg und jeder im Publikum kennt sie!

Das Set beginnt mit drei neuen Songs, die sich nicht vor den Hits der E.P. verstecken brauchen. Dann das erste bekannte Lied, die Stimmung ändert sich schlagartig: Hohe Mädchenstimmen kreischen, die Körper zucken heftiger und alle singen lautstark mit. Bei “Hamburg brennt” erreicht die Stimmung dann ihren Höhepunkt und zum krönenden Abschluss schmeißt Anton seine Gitarre über die Bühne! Rock’n'Roll Clichés mit großer Wirkung! Wow!

Ein Interview mit 1000 Robota (sowie Bratze und The Sea) gibt’s im aktuellen iLIVE Podcast!

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