
“Du kennst dich doch bestimmt damit aus. Warum geht der Typ zum Email-Schreiben auf die Bühne?” Die Frage des Ordners scheint berechtigt. Auf der Bühne steht Vince Clarke wie bewegungslos vor seinem Laptop. Dabei starrt er ausnahmslos geradeaus auf den Bildschirm seines Computers, von dem er mit wenigen Klicks die Synthies sampelt. Kaum ein Blick ins Publikum, nur an und ab wippt sein Fuß zum 80s Beat. Nicht einmal die Klavierspur von “Winter Kills” spielt er live. Auch seine Kollegin Alison Moyet bleibt sehr statisch und bei der Ansage zu letzterem Song auch leicht verwirrt: “The next song is a b-side to Don’t Go … Or is it?” Ist es. Von einer Band, die nur 2 Alben produziert hat, sollte man eine gewisse Repertoirefestigkeit erwarten können.
Auf der anderen Seite liegt “Upstairs at Eric’s” nun auch schon 26 Jahre zurück, Yazoo trennte sich knapp ein Jahr später und ging noch vor der Veröffentlichung des zweiten Albums getrennte Wege. Dass da nicht jeder Song locker aus dem Handgelenk fließt, zeigte sich schon am Anfang des Konzertes. Alison Moyet bricht unerwartet mitten im Lied ab. “I started too late with the verse.” Sie lacht, Vince Clarke verschiebt den Zeiger in seinen Laptop Samples um eine Minute zurück und das Publikum applaudiert wild.
Das Publikum verzog Yazoo gestern Abend ohnehin vieles: Den Minimalsimus der Bühne, die bewegungslosen Hauptdarsteller und das sterile Laptop-Playback. Mit gutem Grund, denn es gleicht ohnehin einem Wunder, dass Yazoo es nach so langer Zeit überhaupt auf eine Bühne in Hamburg (das einzige Deutschlandkonzert neben Berlin) geschafft haben. Damals noch als wegweisend bezeichnet, ist die Musik des britischen Synthiepop-projekts inzwischen überholt. Die Synthies sind zu glatt und der inbrünstige Gesang Moyets klingt teilweise kitschig. Aber auch darum wissen Yazoo und ziehen mitten im Konzert ein altes Tonbandgerät auf die Bühne, von dem sie einen zeitgemäßen Remix ihres experimentellen Vocal Cut-Up “I before E except after C” abspielen. Die Selbstironie ist eindeutig. Auch die Projektionen, die knallbunte Pacman Sequenzen und politische Ereignisse der 80er mit Bildern von Moyet und Clarke in der Blütephase ihres Schaffens zeigen, wollen nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass hier ein Anachronismus am Werke ist. Dass man in längst vergangenen Zeiten schwelgt. Denn auch die 80er sind fast 30 Jahre her.




